WARNUNG D. MART. LUTH.

S. PAULUS SPRICHT: Der Geitz ist ein wurtzel alles Übels. Solchen Spruch erfaren wir in dieser unser schendlichen bösen zeit so gewaltig / als man nicht wol des gleichen in allen Historien findet. Denn sihe allein das grewliche / schreckliche / wesen und übel an / das der Geitz durch den leidigen Wucher treibt / Das auch etliche feine / vernünfftige / dapffere Leute mit diesem Geitzteufel und Wucherteufel also besessen sind / das sie wissentlich und wolbedachtes verstands / den erkandten Wucher treiben / und also williglich und bey guter vernunfft den Abgott Mammon / mit grosser grewlicher verachtung göttlicher Gnaden und Zorns / anbeten / und drüber ins Hellische fewr und ewiges Verdamnis sehend und hörend gleich lauffen und rennen.

Der selbige verfluchte Geitz / hat unter allen andern Übeln / so er treibt / sich auch an unsere Arbeit gemacht / darin seine bosheit und schaden zu üben. Denn nach dem uns allhie zu Wittemberg / der barmhertzige Gott seine unaussprechliche gnade gegeben hat / Das wir sein heiliges Wort / und die heilige Biblia hell und lauter in die deudsche Sprche bracht haben / Daran wir (wie das ein jglicher Vernünfftiger wol dencken kann) treffliche grosse Arbeit (doch alles durch Gottes gnaden) gethan. So feret der Geitz zu / und thut unsern Buchdrückern diese schalckheit und büberey / Das andere flugs balde hernach drücken / Und also der unsern Arbeit und Unkost berauben zu jrem Gewin / Welchs eine rechte grosse öffentliche Reubery ist / die Gott auch wol straffen wird / und keinem ehrlichen Christlichen Menschen wol anstehet. Wiewol meinet halben daran nichts gelegen / Denn ich habs umb sonst empfangen / umb sonst hab ich’s gegeben / und begere auch dafür nichts / Christus mein Herr hat mirs viel hundert tausentfeltig vergolten.

Aber das mus ich klagen über den Geitz / Das die geitzigen Wenste und reubische Nachdrücker mit unser Arbeit untrewlich umbgehen. Denn weil sie allein jren Geitz suchen / fragen sie wenig darnach / wie recht oder falsch sie es hin nachdrücken / Und ist mir offt widerfaren / das ich der Nachdrücker druck gelesen / also verfelschet gefunden / das ich meine eigen Arbeit / an vielen Orten nicht gekennet / auffs newe habe müssen bessern. Sie machens hin rips raps / Es gilt gelt. So doch ( wo sie anders rechte Drücker weren) wol wissen und erfaren sollten haben / Das kein vleis gnugsam sein kann in solcher Arbeit / als die Drückerey ist / Des wird mir Zeugnis geben / wer jemals versucht hat / was vleisses hie zugehöret.

Derhalben / ob jemand diese unser newe gebesserte Biblia für sich selbs / oder auff eine Librarey begert zu haben / der sey von mir hiemit trewlich gewarnet / das er zusehe / was und wo er keuffe / und sich anneme umb diesen Druck der von den unsern corrigirt wird / und hie ausgehet Denn ich gedencke nicht so lange zu leben / das ich die Biblia noch ein mal möge überlauffen. Auch ob ich so lange leben müste / bin ich doch nu mehr zu schwach zu solcher Arbeit.

Und wünsche das ein jglicher bedencken wolt / das nicht leichtlich jemand anders solcher ernst sey an der Biblia / als uns allhie zu Wittemberg / als denen zum ersten die gnade gegeben ist / Gottes wort wider an den tag ungefelscht und wol geleutert / zubringen. Hoffen auch / unser Nachkomen werden in jrem nachdrücken / eben den selben vleis dran wenden / Da mit unser Arbeit rein und völlig erhalten werde.

So haben wirs auch / on allen Geitz / nutz und genies (das können wir rhümen in Christo) trewlich und reichlich / allen Christen dar gethan und mitgeteilet. Und was wir darüber gelidden / gethan / und dran gewand / das sol niemand erkennen / denn des die Gaben sind / und der durch uns unwirdige / elende / arme Werckgezeug solchs gewirckt hat. Dem sey allein die Ehre / Lob und Danck in ewigkeit / A M E N.